Unsere Köter wollen nicht nur spielen? Warum ich den Focus nicht mehr lese!

fuer die tonne

In den besten Jahren habe ich Focus als Nachrichtenmagazin wahrgenommen und irgendwo hinter dem Spiegel und in der Nähe des Stern eingeordnet. Mit der gestrigen Veröffentlichung des Beitrages „Euer Köter will nicht nur spielen! Leint eure verdammten Hunde an…“ habt ihr mich als Leser verloren!

Sorry, aber das gehört sich nicht für einen Journalisten!

Beleidigungen, Diffamierungen und Unterstellungen sowie Pauschalisierungen in Richtung der zahlreichen Hundehalter sind eine Frechheit, wie ich sie bisher auf keinem Nachrichtenportal in der Form lesen durfte. Und ich unterstelle ihnen nun ebenfalls eine Absicht: Der Artikel dient ausschließlich dazu, zu polarisieren und Hundehalter zum Klicken, Teilen und Lesen zu „aktivieren“. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sich ein Journalist (oder Volontär?) sich ohne jeglichen Anlass so dermaßen im Ton vergreift.

Ich gestehe jedem Menschen eine Meinung zu Hunden zu. Dass nicht jeder Mensch eine Bindung zu Vierbeinern aufbaut – vollstes Verständnis. Dass Menschen vor Hunden Angst haben – unbestritten. Dass nicht jeder Hundehalter seinen Pflichten nachkommt – stimmt. Und dennoch bin ich zutiefst entsetzt über ihren „Journalismus“.

Freche Überschrift

Ihrer Überschrift „Euer Köter will nicht nur spielen“ entnehme ich bereits, dass sie auf bewusste Provokation (oder neudeutsch Aufmerksamkeit) setzen, indem Sie sich hier bereits für ein herabwürdigendes Synonym für Hunde entscheiden. Sie schreiben über unsere „verdammten Hunde“ als wenn hier Pest und Cholera an der Leine spaziert geführt werden.

Weiter im Text

Scheinbar haben sie alle Begegnungen mit Hunden auch in ihrer Kindheit schadlos überlebt. Warum sie allerdings auf einem Nachrichtenportal ihre frühkindlichen Probleme und Ängste in subjektiver Weise abkippen, erschließt sich mir keineswegs. Von „relevanten Medien“ erwarte ich Objektivität.

Streß auf dem Fahrrad? Früher aufstehen!

Wenn Sie es morgens eilig haben und unter Zeitdruck mit dem Fahrrad unterwegs sind empfehle ich Ihnen, sich den Wecker mal eine Viertelstunde früher zu stellen. So lässt sich ganz entspannt bis in die Redaktion radeln und ggf. bleibt noch Zeit für einen kurzen Schnack mit dem Ihnen scheinbar unbekannten Wesen „Hundehalter“.

Im Kern bin ich sogar bei Ihnen, wenn Sie schreiben, dass Flexileinen nicht ideal sind, um einen Hund sauber zu führen. Sofern Sie jedoch den gemeinsamen Spazier- und Radweg nicht mit überhöhter Geschwindigkeit entlang schießen (Denken Sie daran, zu schnelles Fahren ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld i.H.v. 30 € sanktioniert) und sich mit ihrer Klingel frühzeitig bemerkbar machen, werden Ihnen die meisten Hundehalter sicher zügig den Weg räumen. Und natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, Arschlöcher gibt es schließlich überall, gell?

Selbstüberschätzung! Weit verbreitet bei Hundehaltern und allen anderen Menschen

Und ja, viele Hundehalter sind der Überzeugung, einen ganz tollen Kerl an der Leine zu haben. Ich schätze, das ist ziemlich menschlich. Denn auch die meisten Eltern glauben von Ihren Kindern, dass die immer lieb, brav und besonders pfiffig sind und Journalisten glauben mitunter auch daran, dass sie seriös arbeiten oder eine gute Schreibe haben. Wie gesagt, Irren ist sicher menschlich.

Aktion – Reaktion

Dass Sie im selben Absatz die Angst der Deutschen vor Hunden erwähnen (da habe ich nun auch wirklich nichts entgegenzusetzen) möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben, dass auch viele Hundehalter einen Hund haben, weil sie Angst vor Menschen haben. Und das mutmaßlich dort, wo ihrer Meinung nach überhaupt kein Hund gehalten werden sollte: In der Großstadt. Dazu gleich noch mehr. Ich kann die Angst der Menschen verstehen und respektiere sie. Einer der wenigen sinnigen Sätze in ihrem „Beitrag“ stimme ich ebenfalls zu, Hunde erfahren an der Leine eine zusätzliche Sicherheit.

Einfach mal mit Fakten um sich werfen

Die Zahl der Beißattacken steigt, schreiben Sie. Auch das ist auf Basis der durch Sie vorgelegten Fakten korrekt. Klar ist, jeder Beißvorfall ist einer zuviel. Als geneigter Leser hätte mich nun das Verhältnis zwischen Anzahl Hunde und Anzahl Beißvorfällen früher und heute interessiert. Liegt es an der Mehrzahl der Hunde oder ist statistisch belegt, dass auf 100 Hunde heruntergerechnet die Gefahr tatsächlich angestiegen ist.

Da ich ja „nur“ Blogger bin, erlaube ich mir auch subjektiv zu werden. Dank vieler Angebote wie Hundeschulen und Trainings sinkt die Zahl der Beißvorfälle pro 100 Hunde. Bewiesen und recherchiert habe ich meine Behauptung nicht.

Großstädter sind miserable Hundebesitzer. Alle miteinander!

Mich würde außerdem die Quelle interessieren, aus der Sie als faktengetriebener Journalist entnehmen, dass Hunde in der Stadt nichts zu suchen haben. Scheinbar sind sie darüber hinaus auch noch Soziologe, der darum weiß, wie der moderne, arbeitnehmende Großstädter seinen Hund verwahrlosen lässt. Auch hierzu hätte ich gerne Fakten, die ihre pauschalisierten Aussagen belegen.

Ein Fettnäpfen polarisiert immer: Hundekacke

Sie lassen natürlich auch das Thema Hundekot nicht aus. Hier finden Sie sicher viele Befürworter und Mitstreiter aus einer ganz bestimmten Personengruppe: Den Hundehaltern. Denn wenn sie aktiv Foren, Facebook Gruppen und Blogs lesen oder gar recherchieren würden, wüssten Sie, dass ein Großteil der Hundebesitzer sehr wohl und sehr pflichtbewusst die Hundescheisse aufsammelt, wie es sich gehört.

Der dicke, elende und röchelnde Nachbarshund – Darf der überhaupt leben?

Aber sie wären sicher kein Journalist wenn sie nicht noch ein Ass im Ärmel hätten. Der stinkende, röchelnde und dicke Nachbarshund, der die Bude vollpinkelt. Chapeau. Mal ganz davon ab, dass Sie hier auf ein Einzelschicksal eingehen. Kennen Sie die Umstände? Vielleicht handelte es sich um einen kranken Hund oder einen aus schlechter Haltung. Inkontinenz ist übrigens auch bei Tieren möglich. Was ihre „Lösung“ des Problems ist, will ich mir gar nicht denken.

Sie sind ja kein Tierfeind, aber….

Nein, ein Tierfeind sind Sie vielleicht nicht. Aber Sie machen auch nicht den Eindruck, besonders emphatisch, herzlich oder gar verständnisvoll zu sein. Dass Menschen sich vermehrt Hunde anschaffen und halten kommt nicht von ungefähr. Vereinsamung und die Angst vor Übergriffen sollen hier exemplarisch dienen. Einige Halter könnten natürlich auch einen Hund halten, um Sie persönlich zu ärgern. Möglich ist das durchaus.

Ihren Ratschlag, wo ich mit Hund existieren darf und wo nicht, schlage ich mal getrost in den Wind. Denn wie ihr Artikel beweist, besitzen Sie absolut nicht die Kompetenz, einem Hundehalter auch nur irgendwas zu raten.

Mein Schlusswort

Schön, dass der Focus eine Facebookgruppe mit > 170.000 Hundebesitzern hinter sich weiß. Ganze 66x wurde ihr Beitrag bisher geteilt. Im Rahmen der „Content-Strategie“ sicher ein voller Erfolg. Mich würde wirklich interessieren, was ihre Werbepartner wie Fressnapf, Zooroyal und Zooplus zu so einem Artikel denken.

Erstaunlich, dass der Focus überhaupt Werbepartner aus der Haustierszene hat, bedenkt man, wie verachtend und befremdlich ihre Sichtweise doch für Hundehalter ist.

Mich als Leser hat der Focus mit ihrem Artikel verloren. Ich empfinde es als absolute Frechheit, so einen subjektiven Artikel ohne jeglichen Mehrwert lesen zu müssen. Ihr Ziel zu polarisieren haben Sie mit Sicherheit erreicht. Ihr Beitrag wurde in einigen Hundegruppen geteilt. Und ganz bestimmt sprechen Sie auch dem Einen oder Anderen aus der Seele.

Sie treten jedoch alle Bemühungen der Menschen mit Füßen, die tagtäglich für das Wohl der Tiere, ein besseres Verständnis und mehr Miteinander einstehen. Sie ziehen mit ihrem Artikel den Graben, der hier und da bereits zwischen Hundebesitzern und Nichthundebesitzern existiert, noch ein Stück tiefer. Sie pauschalisieren, klagen an und gehen bewusst unter die Gürtellinie (Köter).

Um mit ihren Worten zu schließen: Redakteure von Nachrichtenportalen, arbeitet seriös! Orientiert euch an Fakten, beleuchtet beide Seiten, haltet euch an den Pressekodex und merkt euch eins: Einige Redakteure sind für ihren Job nicht geschaffen. 

Über Daniel 277 Artikel
Bis auf wenige Jahre während meiner Ausbildung habe ich immer mit Hunden zusammen gelebt. Und ohne kann ich mir das Leben auch kaum vorstellen. Geht bestimmt, aber macht das Sinn?

1 Kommentar zu Unsere Köter wollen nicht nur spielen? Warum ich den Focus nicht mehr lese!

  1. Moin Daniel!

    Alle in eine Ecke stopfen und dann richtig abziehen ist doch eh im Trend und die Hundehalter bekommen es doch in regelmäßigen Abständen immer wieder ab. Ich will den Focus-Artikel gar nicht lesen, für so ein Schwachsinn fehlt mir einfach die Zeit…

    Mir hat dein Artikel gereicht um zu wissen, dass da mal wieder „hochseriös“ über das Thema Hund berichtet wurde und das von jemandem der wahrscheinlich gerade mal erkennt wo da Vorne und Hinten ist.

    Peinliche Nummer aber es ist wie es ist und Hunde können sich ja auch nicht wehren.

    Ahoi
    Alex

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