Weimaraner

Intelligenter Familienhund mit Hang zur Jagd

Allgemeines

Der Weimaraner ist ein auffälliger großer Vorstehhund. Seine unfehlbare Spürnase ist sein Markenzeichen, ebenso sein schönes oft silbrig glänzendes Fell und die bernsteinfarbenen Augen. Mit diesen wunderschönen Jagdhunden schmückten sich früher gern gekrönte Häupter und andere adlige Herren. Für das einfache Volk waren sie unerreichbar.

weimaraner titelbild für rasseportrait

Geschichte & Herkunft

Sehr viel ist es nicht, was man über die Entstehung der Rasse Weimeraner weiß. Sicher ist nur, dass es schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Hof zu Weimar Jagdhunde gab, die den Namen Weimaraner trugen. Der Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach liebte die Jagd und seine Jäger und Förster züchteten die hochbeinigen Hunde, die sehr Raubzeug- und Wild-scharf waren. Welche Hunderassen dabei gekreuzt wurden ist nicht belegt, sehr wahrscheinlich waren verschiedene Hühnerhunde dabei, mit einiger Sicherheit die St.Hubertus Bracke. Am Ende des 19.Jahrhunderts wird die Rasse dann zuchtbuchmäßig erfasst und ab dieser Zeit rein gezüchtet. Sie gilt als älteste deutsche Vorstehhund-Rasse überhaupt.

Zahlen, Daten & Fakten

  • Herkunftsland: Deutschland
  • Lebenserwartung: 9 – 12 Jahre
  • Gewicht Rüden: 30 – 40  kg
  • Gewicht  Hündin: 25 – 35 kg
  • Rüden 62 – 67 cm
  • Hündinnen: 59 – 63 cm

Verwendung

weimaraner portraitDie ersten Weimaraner wurden als Leithunde und Vorstehhunde bei Treibjagden eingesetzt. Als Vorstehhunde hatten sie nicht die Aufgabe, selbst Wild zu erjagen, vielmehr spürten sie es auf und zeigten es den Jägern nur an. Erst auf spezielle Zeichen des Jägers scheuchten Vorstehhunde das Wild auf und trieben es den Jägern zu. Nach dem Schuss apportierten er die Beute. Ein guter Vorstehhund musste lange und sehr gründlich ausgebildet werden, gehorsam, mutig und absolut schussfest sein. Bei den heutigen Formen der Jagd werden Vorstehhunde nur noch ganz selten verwendet, gute Jagdhunde sind sie Weimaraner aber immer noch. Inzwischen ist die Rasse in Deutschland leider recht selten geworden. Außer im deutschsprachigen Raum werden Weimaraner verbreitet in den USA, Kanada und in Großbritannien gezüchtet. Anders als dort geben in Deutschland die meisten Züchter Hunde dieser Rasse nur an Jäger ab. Trotzdem können auch sie tolle Familienhunde sein, wenn man nur auf ihre speziellen Rassemerkmale eingeht und sie berücksichtigt. Außerdem werden Weimaraner auch als Begleithunde, Rettungshunde oder Therapiehunde eingesetzt. In den USA sind sie beliebte Polizeihunde und Drogenspürhunde.

Klassifikation, Zuchtstandard & Rasse Standard

  • FCI Standard Nr. 99
  • Gruppe 7: Vorstehhunde
  • Sektion 1: Kontinentale Vorstehhunde
  • 1.1 Typ ‚Braque‘
  • Mit Arbeitsprüfung

 Charakter & Wesen des Weimaraner

Der Weimaraner ist ein sehr mutiger und selbstbewusster Hund. Als Jagd-Gebrauchshund ist er leichtführig, wesensfest und vielseitig, eben weil er ein begeisterter „Jäger“ ist. Als Familienhund braucht er eine sehr konsequente Erziehung, denn er neigt dazu, selbst bestimmen zu wollen, wo es lang geht. Der für einen Jagdhund sehr stark ausgeprägte Wach-und Schutztrieb kann lästig werden, wenn dem Hund nicht von Jugend an, feste Grenzen gesetzt werden. Die Rasse ist sehr intelligent, sensibel und lebhaft, allerdings ohne die Nervosität und das überschießende Temperament vieler anderer lange gezüchteter Hunderassen.

Im Umgang mit Familie & Kindern

Lange Zeit hielt man den Weimaraner nicht für einen geeigneten Hund für Familien mit Kindern. Er galt eher als Begleithund von nur einer bestimmten Person, der er dann auch perfekt folgt, während er den Rest des Haushaltes lediglich mehr oder weniger toleriert. Aber Hunde sind wahre Meister der Anpassung und wenn sie (möglichst vom Welpenalter an) als „Familienmitglied“ gehalten werden, dann kommen sie mit ihrem Platz im „Rudel“ auch gut zurecht, eine gute Erziehung vorausgesetzt. Die liebenswürdigen, außergewöhnlich klugen und originellen Hunde können durchaus auch tolle Spielgefährten für Kinder sein, gerade weil sie viel Bewegung und Beschäftigung brauchen. Dennoch besitzt das Weimeraner Wesen eine gewisse Mannschärfe, die in der Familie durchschlagen kann, wenn der Hund nicht ausgelastet wird. Daher ist ein umsichtiger Umgang, vor allem mit Kindern, zwingend nötig.

Im Umgang mit Fremden

Fremden gegenüber ist der Weimaraner eher zurückhaltend und vorsichtig. Er ist ein guter Wachhund, der auch durch sein Äußeres Respekt fordert und sein Territorium und seinen Besitz verteidigt. Eine gewisse Mannschärfe ist dem Grauen nicht abzusprechen.

Im Umgang mit anderen Hunden

Der ausgeprägte Jagdtrieb des Weimaraners macht seinen Umgang mit anderen Hunden und Haustieren wie Katzen etc. natürlich nicht gerade leicht. Aber jeder Besitzer eines gut erzogenen Jagdhundes sollte das Tier auch unter Kontrolle haben, wenn es gilt, diesen Trieb zu unterdrücken. Gerade deshalb ist die richtige Erziehung von klein auf und möglichst mit Hilfe einer Hundeschule oder eines Hundetrainers so wichtig. Ein gut ausgelasteter Hund ist die beste Voraussetzung, um sich mit anderen Hunden zu vertragen
weimaraner jagdhund mit anderen hunden

Bewegungsdrang

Als Jagd- und Gebrauchshund hat der Weimaraner einen großen Bewegungsdrang. Wenn man ihn nicht zur Jagd nutzt, was seinem Temperament natürlich am meisten entgegen kommen würde, dann muss man ihn so gut als möglich beschäftigen und natürlich für möglichst viel Auslauf sorgen. Ist man mit ihm unterwegs, kann man ihn beispielsweise sehr gut apportieren und Gegenstände suchen lassen. Er läuft auch gern neben dem Rad oder beim Jogging mit und schwimmt außerordentlich gern. Als Sportarten eignen sich Agility, Obedience und Dummytrainig für den Weimaraner besonders gut. Um dem Tier gerecht zu werden ist zwingend eine Aufgabe nötig, der er sich hingeben kann. Man-Trailing und Fährtensuchen sind Beschäftigungen, die den Anforderungen weitestgehend gerecht werden.
weimaraner wesen 

Der Jagdtrieb

Der Weimeraner ist ein Jagdhund. Ein ziemlich guter sogar, denn es liegt im quasi im Blut. Daher haben Halter von Weimaranern wie alle Jagdhundhalter häufig(er) das Problem, entscheiden zu müssen, ob sie ihren Hund ableinen können oder nicht. Es gibt sicher viele Weimaraner, bei denen es möglich ist, die Jagdlust so „umzulenken“, das sie nicht hinter Wild oder anderen Tieren herjagen oder der Gehorsam über dem Instinkt steht. Bei einigen funktioniert es aber nie wirklich und hier hilft eventuell nur die Schleppleine oder eine große eingezäunte Hundewiese, um ihnen wenigstens ein Stück Freiheit zu geben. Im häuslichen Gehege gelten gerade Weimaraner als „Ausbrecher-Könige. Sie haben unwahrscheinliche Tricks drauf, aus umzäunten Arealen auszubüxen. Macht man sich seine ursprüngliche Verwendung zur Nutze, erhält man einen excellenten Jagdbegleiter. Vor allem das Vorstehen und die Wasserarbeit kommt er häufig zum Einsatz. Für die Arbeit „nach dem Schuss“ ist er prädestiniert und zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er ein hochintelligenter „Sucher“ ist.

Optik und Fell

Der Weimaraner ist mittelgroßer bis großer Hund. Das Gewicht eines Rüden liegt zwischen 30 und 40 Kilogramm, die Schulterhöhe zwischen 60 und 70 cm. Die Gestalt ist schlank aber muskulös, der Kopf ist schmal, die Schnauze lang. Die Hängeohren des Weimaraners sind recht groß, unten spitz zugehend und reichen bis zum Mundwinkel. Bei Aufmerksamkeit kann der Hund sie nach vorn drehen und falten. Auch die Rute ist hängend, kann aber auch waagerecht oder noch höher getragen werden.

Auffällig an der Rasse ist auch, das die Augenfarbe beim Welpen leuchtend blau ist und sich später zu einem hübschen Bernstein-Braun ändert. Weimaraner sind Hunde mit einer sehr schönen stolzen Körperhaltung und einer ausgesprochen harmonischen Gestalt. Die Fellfarben der Rasse sind silbergrau, rehgrau oder mausgrau bzw. Übergänge dieser Farben. Man spricht daher auch häufig vom Grauen Weimeraner und im englischen vom Grey Ghost.  Geringe weiße Abzeichen an Brust und Pfoten sind selten. Gezüchtet wird der Weimaraner in zwei Schlägen als Kurzhaar und Langhaar. Langhaarige Welpen kommen auch bei kurzhaarigen Weimaraner-Eltern immer wieder vor, die Neigung zu langem Haarkleid ist rezesiv. Früher waren Langhaar-Weimaraner oft unerwünscht, und auch heute noch ist der kurzhaarige Schlag beliebter.

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Pflege und Haltung

Kurzhaarige Weimaraner sind vom Fell her pflegeleicht. Trotzdem sollten sie möglichst oft gebürstet werden, das durchblutet die Hand gut und lässt das herrliche samtartige Fell schön glänzen. Langhaarige Exemplare müssen noch häufiger gebürstet und gekämmt werden, um Schmutz aus dem Fell heraus zu bekommen. Auch die Schlappohren müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.

Erziehung des Weimaraner

Wie wichtig die Erziehung eines Weimaraners ist, wurde bereits erläutert. Man sollte unbedingt schon beim Welpen damit beginnen und nach Möglichkeit auch eine Hundeschule besuchen, um später einen wohlerzogenen Hund zu haben, den man in jeder Situation nach seinem Willen leiten kann. Weimaraner sind nämlich nicht nur hochintelligent sondern auch sehr trickreich, wenn es darum geht ihre Ziele zu erreichen. Erziehungsschwächen ihrer Menschen nutzen sie einfach gnadenlos aus. Diese Rasse ist auch außerordentlich „verfressen“ und sehr kreativ, wenn es darum geht, Essbares oder Dinge, die für essbar gehalten werden, zu ergattern. Wissen sollte man auch. das harte Erziehungsmethoden und Anschreien bei Weimaranern gar nichts bringen. Mit Lob, Streicheleinheiten. Leckerchen und sehr konsequentem Verhalten ist viel mehr zu erreichen. Da es sich bei ihm um einen waschechten Jagdhund handelt, ist der Besuch der Hundeschule längst nicht ausreichend. Vielmehr gehört das Ablegen der Jagdhundeprüfung oder alternativ ähnlich sinnstiftende Aufgaben zum absoluten Muss in der Erziehung. 
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Eine umfängliche Ausbildung gehört zur Erziehung des Weimaraner dazu!

Anfälligkeiten & häufige Krankheiten

Eine der häufigsten Erkrankungen der Weimaraner ist die Hüftgelenksdysplasie. Sie wird dadurch begünstigt, dass die Hüftgelenk-Pfanne relativ abgeflacht ist. Weil oft schon junge Tiere an HD leiden, ist artgerechtes Futter sehr wichtig. Wächst der Hund nämlich zu schnell, begünstigt das den Ausbruch der Krankheit noch zusätzlich.

Auch die Magendrehung, ein Problem aller großen Hunderassen, tritt beim Weimaraner vermehrt auf. Er sollte deshalb mehrfache kleinere Futtermengen erhalten und nach dem Fressen nicht herumtoben. Aufgrund eines genetischen Defektes leiden einige Weimaraner auch an Epilepsie. Die statistische Lebensdauer der Rasse liegt bei 9 Jahren, viele Tiere werden aber auch 12 Jahre und noch älter.

Häufige Fragen

Was kostet ein Weimeraner Welpe?

Die Kosten für einen Welpen betragen bei deutschen Züchtern mindestens 1300 bis 1500 Euro, allerdings bekommt man als Nicht-Jäger nur sehr schwer einen reinrassigen Welpen.
Das sollte jedoch keinesfalls dazu führen, sich auf Kleinanzeigenportalen oder im Ausland einen Welpen vom Wühltisch zu kaufen. Die vermeintlichen Angebote im Internet sind in der Regel teuer bezahlt. Tiere ohne Papiere werden oftmals nicht nach dem Zuchtstandard gehalten und verpaart und dies kann neben unerwünschtem Verhalten auch hohe Tierarztrechnungen nach sich ziehen, wenn ein krankes Tier erworben wird. Einen Weimaraner Welpen kauft man beim Züchter!
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Was sollte ich noch wissen, bevor ich einen Weimeraner Welpen kaufe?

Seit mehreren Jahren gibt es Tendenzen von Züchtern, auch außerhalb des Deutschen Weimaraner Clubs Tiere der Rasse zu züchten, damit auch nicht an der Jagd interessierte Liebhaber der Rasse Weimaraner die Möglichkeit erhalten, einen solchen Hund zu halten. Solche Zuchten unterstehen dann allerdings nicht dem Dachverband und der züchterischen Kontrolle. Möglicherweise sind sie aber die einzige Möglichkeit, die Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. 
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Video & weitere Bilder

Zusammenfassung

Komprimiertes Wissen
  • Überwiegend als Jagdhund im Einsatz
  • Stellt hohe Anforderungen an seine Ausbildung
  • Ausgeprägter Schutztrieb vorhanden
  • Kein Anfängerhund!

Weimaraner in Not / Graue in Not

Geraten Weimaraner in Not spricht man auch davon, dass der Graue in Not gerät. Damit sind all jene Hunde gemeint, die von ihren Besitzern in ein Tierheim übergeben werden. In den seltensten Fällen trägt dafür der Hund die Schuld. Weitaus häufiger liegen die Gründe in der falschen Erwartungshaltung. Denn der Graue ist, was er ist – ein Arbeitshund. Er braucht neben Spaziergängen und gut gemeintem Agility & Co. eine echte Beschäftigung und professionelle Ausbildung. Ansonsten wird er schlichtweg unterfordert und neigt zu Fehlverhalten. Wer mit der Anschaffung dieser wundervollen Jagdhund Rasse liebäugelt sollte vorher wissen, worauf er sich einlässt. Diejenigen, die sich bereits klar darüber sind, können aber auch dem Weimaraner in Not eine zweite Chance einräumen und im Tierheim schauen, ob ein vielleicht sogar schon ausgebildeter Grauer auf ein neues Zuhause und eine neue Beschäftigung wartet.
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Über Daniel 258 Artikel
Bis auf wenige Jahre während meiner Ausbildung habe ich immer mit Hunden zusammen gelebt. Und ohne kann ich mir das Leben auch kaum vorstellen. Geht bestimmt, aber macht das Sinn?