Positiv verstärken – sanft erziehen

Oder: Wie ihr eure Menschen in den Wahnsinn treibt

Chica - Aus dem Leben einer Rüdin - Die Kolumne

Um eure Menschen in den Wahnsinn zu treiben, geht ihr wie folgt vor: Entspannt regungslos auf dem Sofa. Versucht dies möglichst mehrere Stunden lang, was ausgelasteten, satten, faulen Hunden nicht weiter schwerfallen dürfte. Hilfreich ist eine menschliche Kraulhand, die euch das Warten mit zartem Ohr- und Bauchgepuschel angenehm gestaltet.

Spät abends hebt ihr schlaftrunken euer hübsches Köpfchen und nehmt Witterung auf. Springt vom Sofa und schnüffelt intensiv die untere Sofaritze ab. Den Vorgang mehrfach wiederholen. Verharrt dann an einer bestimmten Stelle und sucht den Blickkontakt des Menschen, der sich vermutlich träge auf derselben Couch befindet. Habt ihr Kontakt hergestellt, könnt ihr den Plan weiter verfolgen. Falls nicht, den Vorgang wiederholen.

Nun beginnt ihr abwechselnd, am Sofa zu scharren und zu schnüffeln. Seid gewiss, dass sie es bemerken und unterbinden werden. („Das gute Sofa!“) Setzt euer liebreizendstes Gesicht auf. (Keine Bange, ihr schafft das. Schließlich habt ihr das tausendfach geprobt.) Kopf in Schieflage, Augen aufreißen und – wer kann – leise miepen. Strahlt Vertrauen und Dankbarkeit aus. Spätestens jetzt erhebt sich jemand (meist Frauchen) ächzend und kraucht unters Sofa. Die Handy-Leucht-App hilft bei der Suche. Folgende Sätze fallen: „Oh Gott, wie siehts denn hier aus, ich find nix.“ „Da muss doch irgendwo …“ (Vielleicht zaubert sie ein etwa 2 x 2 mm großes – längst vergessenes – Leckerchen hervor.) Mit einem: „Maus, da is nix“, hievt sie sich zurück aufs Sofa.

Jetzt ist Konsequenz gefragt, denn ihr müsst genau diesen Vorgang täglich zur selben Zeit wiederholen. Spätestens am vierten Abend sollte Folgendes geschehen: Im Idealfall ist Herrchen zugegen, der sich mit einem Ich-bin-es-jetzt-leid erhebt und zur Tat schreitet. Das Sofa wird abgerückt und neben unzähligen lustigen Wollmäusen kommen vermisste Dinge wie Feuerzeuge, Nüsse, Filzstifte und rote Gummibärchen ans Licht. (Meinen Aufreger finden sie natürlich nicht, den gibt‘s ja gar nicht.) Es kommt zu Diskussionen wie: „Wenn der Hund so reagiert, hat das immer einen Grund.“ und „… 170000-mal besseren Geruchssinn als wir.“ gegen „… die macht mich verrückt damit.“ „… aber, wenn da doch nix is!“

Ist unterm Sofa gewischt und sind alle wieder zur Ruhe gekommen, rollst du dich zufrieden ein und pennst noch ‘ne Runde.

Was folgt ist eine kleine Pause, in der ihr einige entspannte Abende verbringt. An Tag drei startet ihr die Prozedur neu. Spätestens jetzt habt ihr eure Menschen da, wo ihr sie haben wollt: im Wahnsinn.

Eure Chica

Über Daniel 279 Artikel
Bis auf wenige Jahre während meiner Ausbildung habe ich immer mit Hunden zusammen gelebt. Und ohne kann ich mir das Leben auch kaum vorstellen. Geht bestimmt, aber macht das Sinn?

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