Aggressionen beim Hund

aggressiver hund zeigt einen zähnefletschenden hund

Folgender Artikel handelt rund um ein hochinteressantes Interview mit einer liebevollen Rottweiler-Halterin, die eine Zeit lang weder ein noch aus wusste. Der inzwischen knapp 5-jährige Rotti leidet, ebenso sein Frauchen. Worunter? Unter Aggressionen. Das Tier gerät in einen regelrechten Trance-Zustand, so die Halterin. „Ich bin dann auch wie gelähmt und mein Liebling merkt selbstverständlich auch, dass ich nervös bin.“ – Das wiederum überträgt sich zusätzlich auf das stattliche Tier. Der sonst ausgesprochen pflegeleichte Vierbeiner komme nicht mit Konfrontation mit anderen Hunden klar. Vor allem nicht mit großen Hunden. Einen einzigen anderen Vierbeiner nennt er seinen Freund. Wie Anja, deren Namen ich hier abänderte damit umgeht, was sie für Lösungsansätze fand und wer ihr half, habe ich im folgenden Text für Dich zusammengefasst in der Hoffnung, dass auch andere betroffene Halter und Tiere hier ein wenig Hilfe, Tipps und Motivation erfahren.

Die Problem-Situation

Anja liebt ihren Hund wahrlich. Das bemerkt man sofort im Umgang miteinander, das Tier wird in angemessenem Maß verwöhnt und bekommt Zuwendung, frische Luft und Auslauf.

Doch leider gerade Letzteres gestaltet sich oft schwierig: „Bin ich alleine unterwegs mit Rolf, meinem Rottweiler, ist die Welt wirklich in Ordnung.“ – Doch wehe, es nahen andere Gassi-Gänger: „Ab drei Metern Abstand ist das Maß voll, da dreht mein Rolf durch.“

Anja schildert, dass ihr Liebling sich richtig versteift und sich in einem tranceähnlichen Zustand befindet. Er reagiert auf nichts mehr. Auch nicht auf sie selbst, nicht auf den Lebensgefährten. „Am Anfang war ich absolut hilflos“, so Anja weiter. Und wen wundert das? Ein ausgewachsener Rottweiler in Schockstarre, bereit zum Angriff, ist durchaus verunsichernd.

„Kleinere Hunde werden höchstens toleriert, aber Nähe mag mein Hund dennoch nicht von seinen Artgenossen“, so das traurige Resümee Anjas.

Ich habe Angst

„Ich habe Angst davor, dass ich eine solche Situation nicht meistern kann. Mein Hund ich groß, kräftig und reaktionsunfähig. Wir gehen inzwischen nur noch mit einem Maulkorb nach draußen, denn trotz Leine könnte ich das Tier nicht halten, wenn er losrennt. Kürzlich gab es eine mehr als brenzlige Situation mit einer Dogge. Die Halter hatten das Tier nicht angeleint und so kam der große Hund direkt auf uns zu. Es kam zum Konflikt.“

Rolf wird im November 5 Jahre alt, Anja hat ihn vor knapp 3 Jahren aus dem Tierheim zu sich geholt. Damals bestand dieses Problem nicht, es scheint sich zwischenzeitlich wie von allein entwickelt zu haben. Nur einen einzigen Hund darf man in Rolfs Nähe lassen: Ein Podenco-Mix aus Spanien.

Und wie ist es gegenüber Menschen?

Ich durfte Rolf als tollen, kuschelbedürftigen Hund kennen lernen. Als ich die Wohnung betrete, sitzt er angeleint in seinem Körbchen und spitzt die Ohren. Erfasst hat er mich bereits, als ich nur das Wohngebäude betrete, berichtet Anja. Sie beschreibt ihn als aufmerksames und liebesbedürftiges Tier. Das glaube ich ihr sofort.

Rolf hat laut Anja etwa 10 bis 15 Minuten zu warten, bis er mich begrüßen darf. Erst dann wird die Leine gelöst. Dieser Ritus sei ihr wichtig, da es Menschen gibt, die ehrfürchtig bis ängstlich sind innerhalb ihres Freundeskreises und hinzukommt, dass Sie alt „Chefin“ zuerst begrüßt. Rolf hat sich zu gedulden, was er auch artig tut.

Die Lösung des Problems

Anja hat genau den richtigen Weg eingeschlagen: Sie besucht seit geraumer Zeit eine Hundeschule, die mit Rolf im Gemeinschaftstraining und ihr zusammen trainiert.

„Zu Anfang dachte ich, das geht schief. Ich war verzweifelt!“ – Die Hunde warten in den ersten Trainingsstunden zunächst separat in den Halterautos. Das hat zum Zweck, dass sie sich kurz beruhigen können und Trainer, sowie Halter einige Dinge miteinander vorab besprechen können.

„Das finde ich toll, denn so kann ich darauf eingehen, wie die letzten Tage verlaufen sind.“ – zwei Tage die Woche besucht Anja mit ihrem Fellkind Rolf die Hundeschule und es fruchtet.

Zunächst wurde der Hund beobachtet, einige Hunde waren auf der Wiese zugegen. Er war stets außen vor, mochte sich nicht integrieren. Dann kam der Tag, an dem der Rottweiler einer Provokationssituation ausgesetzt worden ist. Ein großer Mischlingshund wurde näher an das Tier herangelassen, zwischen ihm und Rolf stand die Halterin Anja. In der Hand: Ein Becher mit Wasser. Der Hund erstarrt, wie zu erwarten war. In diesem Zustand der Trance reagiert das Tier auf nichts. Der Trainer bestimmt, dass Anja Rolf zuerst mit etwas Wasser im Nacken bespritzen soll, doch der Hund reagiert gar nicht, ist beinahe sprungbereit.

„Dann musste ich meinem Rolf das Wasser direkt ins Gesicht spritzen und das fiel mir wahrlich schwer.“
Doch siehe da, es klappt: Rolf wird „wach“, die angespannte Situation wird aufgelöst.

„Mir wurde erklärt, dass er mich nicht ernst nimmt als Autoritätsperson und daran müssen wir beide eben arbeiten!“

Über Daniel 291 Artikel
Bis auf wenige Jahre während meiner Ausbildung habe ich immer mit Hunden zusammen gelebt. Und ohne kann ich mir das Leben auch kaum vorstellen. Geht bestimmt, aber macht das Sinn?

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