Döner versus Angst

Chicas Kolumne - Aus dem Leben einer Rüdin

Chica Döner vs Angst

Ich bin Therapiehund. Zumindest versuch ich es. (Streng genommen ist die erste Therapiestunde komplett in die Hose gegangen …)

Frauchens Freundin P. hat Höllenpanik vor Hunden. Schon immer. Besonders vor großen Hunden, die bekannt für ihre Aggression sind, zum Beispiel Labbies und Golden Retriever. Logische Konsequenz war, dass ich nie mitdurfte, wenn die Mädels sich getroffen haben. Frauchen, die olle Amateurpsychologin, konnte die Situation nicht akzeptieren. Schließlich bin ich ihre kleine Zuckerschnecke, gehöre zur Familie, und bin selten grundlos aggressiv. Sie machte P. den Vorschlag, sich zu dritt an einem neutralen Ort zum Kennenlern-Frühstück zu treffen. Ihr Plan war, mich vorher plattballzuspielen und danach ordentlich abzufüttern, sodass ich dekorativ auf meinem Leopardendeckchen schlafen würde. P. ließ sich zaudernd darauf ein. Zur Abrundung des Plans schickte Frauchen ihr vorher die liebreizendsten Sandnasen- und Prinzessinnensessel-Schlaffotos von mir.

Gestern Morgen war es so weit: unser erstes Therapie-Treffen! Habe P. in Ermangelung von Begrüßungsgeschenken in Form von Parmaschinkenknochen, gefüllten Hufen oder Puffnasen ignoriert und mich auf mein Leopardendeckchen verzogen. Zufällig lag ich mit meiner Schnauze recht nah an ihren Füßen, weshalb P. sich nicht mehr zu bewegen wagte. (Ob sie weiter atmete, weiß ich nicht.) In der ersten Stunde gab‘s keine weiteren Vorkommnisse, außer langweiligem Gelaber, Gekicher und „Noch ein Cappuccino, bitte“. Frauchen musste irgendwann mal, gab P. die Leine mit mir am Ende. Es war die erste Leinenerfahrung ihres Lebens. Vermutlich aus Unsicherheit fing sie an, mit mir zu quatschen, was ich als Kommunikationsbedürfnis missdeutete, sodass ich sie ansprang. Wirklich nur halb – mit den Vorderpfoten auf ihr rechtes Knie. P. ist in eine merkwürdige Starre verfallen, während wir auf Frauchen warteten. Leider kam zeitgleich mit ihr eine arrogante Havaneserspängchentussi um die Ecke und wollte an MEINEM Tisch vorbei. Der hab ich es gegeben!

Das Therapiefrühstück war rasch zu Ende. Vor der Tür trafen wir noch einen schwarzen, freilaufenden Riesenschnauzer namens Joseph. Mit dominantem Herrchen und deutlichem Interesse an mir. P. stürzte in die Dönerbude nebenan. Frauchen wunderte sich nicht darüber. Schließlich sind großer Appetit und das Bedürfnis nach Zwischenmahlzeiten ihr nicht fremd.

Ich war schon ins Auto verbannt, als P. erklärte, sie wüsste, dass Hunde panische Angst riechen. Mit Dönergeruch wollte sie lediglich ihren Angstgeruch übertünchen. (Dass dies misslungen ist, muss sie ja nicht wissen.)

Wir planen, die Therapie in Zukunft kleinschrittiger aufzubauen.
Schritt 1: Im zentralverriegelten Auto sitzend, findet P. mich von außen recht niedlich. Ein perfekter Neuanfang …

Über Daniel 279 Artikel
Bis auf wenige Jahre während meiner Ausbildung habe ich immer mit Hunden zusammen gelebt. Und ohne kann ich mir das Leben auch kaum vorstellen. Geht bestimmt, aber macht das Sinn?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*